Verfasste Beiträge ‘Stolpersteine’

Hildegard Klug (MItte) mit den Schülerinnen der Europaschule.

Für Hannah Preuß und Frederica Mazzanti war ihr Treffen mit Hildegard Klug gestern Nachmittag ein bisschen so etwas wie Geschichtsunterricht zum Anfassen. Ohne langweilige Geschichtsbücher, ohne Lehrer, aber deswegen nicht weniger informativ. Hannah und Frederica, die beide die zehnte Klasse der Europaschule in Langerwehe besuchen, waren gestern zu Gast bei Hildegard Klug. Frau Klug ist 90 Jahre alt, Ur-Langerweherin, wie sie selbst sagt, und bereit, den beiden Mädchen etwas über die Zeit des Nationalsozialismus in Langerwehe zu erzählen.

Die Idee zu den Gesprächen zwischen Schülern und Lehrern hatte Marie-Theres Jung, als sie sich dafür eingesetzt hat, dass in der Töpfergemeinde „Stolpersteine“ verlegt werden. Bis jetzt hat es sechs solcher Schülergespräche mit Zeitzeugen gegeben, weitere sollen demnächst folgen. „Für die Schüler“, so Marie-Theres Jung, „sind diese Gespräche eine gute Erfahrung, weil sie Geschichte hautnah erleben.“

Hannah und Frederica haben sich viele Fragen überlegt. Die beiden Schülerinnen wollen wissen, ob HildegardKlug und ihre Eltern Kontakt zu den Juden in Langerwehe gehabt haben, ob sie überhaupt jüdische Mitbürger gekannt hat. Frau Klug erzählt von jüdischen Nachbarn, von denen sie als Kind immer besonderes Brot mit dem Namen Matzen bekommen hat. Und von dem großen Geschäft „Höxter“ an der Hauptstraße, wo es Anziehsachen gegeben hat. „Hier habe ich meinen ersten Badeanzug bekommen“, erzählt Frau Klug. Die beiden Mädchen hören interessiert zu, manchmal fragt Hannah nach. Zum Beispiel will die Schülerin ganz genau wissen, was Hannah Klug damals gewusst hat über Themen wie Deportation und Vernichtung. Frau Klug berichtet davon, dass sie einmal am Dürener Bahnhof eine größere Menge Menschen gesehen hat, die offenbar weggebracht worden sind. „Uns hat man damals erzählt, die Juden kämen nach Polen, um sich da neu anzusiedeln. Mehr haben wir nicht gewusst.“ Damals, so Frau Klug, hätte man aber über dieses Thema kaum gesprochen. „Wir hatten alle Angst. Um unser eigenes Leben.“ Frederica notiert alle Antworten von Hildegard Klug. Im Anschluss an das Gespräch werden die beiden Mädchen ein genaues Protokoll schreiben. „Wir machen das freiwillig“, erzählt Hannah. „Das ist eine Arbeitsgemeinschaft zusätzlich zum Schulunterricht. Aber das Thema interessiert mich einfach. Wir haben das Dritte Reich auch in der Schule durchgenommen. Aber es ist einfach etwas ganz anderes, wenn einer erzählt, der damals wirklich gelebt hat und dabei war.“

Stolpersteine liegen mittlerweile in über 500 Orten in Deutschland. Im Kreis Düren gibt es Stolpersteine in Düren und Langerwehe. Die kleinen Messingplatten sollen zum Beispiel an Juden erinnern, die im Zweiten Weltkrieg ermordet worden sind. Sie liegen immer vor den Häusern, in denen diese Menschen gewohnt haben. Der Künstler, der die Idee zu den Stolpersteinen hatte, heißt Gunter Demnig und kommt aus Köln. Demnig ist 1947 geboren . Er sagt, dass ein Mensch erst dann vergessen ist, wenn sein Name vergessen ist. Und genau das will er mit den Stolpersteinen verhindern.
In Langerwehe sind die Stolpersteine auf Initiative von Marie-Theres Jung (links) von der katholischen Frauengemeinschaft verlegt worden.

Die Synagoge in Rödingen

Die Synagoge in Rödingen

In Verbindung zur Stolpersteinverlegung bietet die kfd- Langerwehe (katholische Frauengemeinschaft) eine Führung in der Landsynagoge Rödingen allen Interessierten  am Samstag, 31.03.2012 um 15 Uhr an.

Die 1841 gebaute ehemalige Synagoge und das Haus des Vorstehers der damaligen jüdischen Gemeinde wurde als „LVR-Kulturhaus – Landsynagoge Rödingen“ eingerichtet. Eine Dauerausstellung bietet anschauliche Informationen zu verschiedenen Facetten jüdischen Lebens im Rheinland in Vergangenheit und Gegenwart, unter anderem zur Geschichte der jüdischen Bewohnerinnen und Bewohner, zur koscheren Küche früher und heute und zu Aspekten der jüdischen Religion und der Geschichte.

Anmeldung zu dem Ausflug nimmt Marie-Theres Jung unter der  Telefonnummer 02423/1339 entgegen. Treffpunkt zur Bildung von Fahrgemeinschaften um 14:15 Uhr am Pfarrheim Langerwehe.

In Langerwehe wurden Stolpersteine verlegt.

Wenn Marie-Theres Jung von der katholischen Frauengemeinschaft in Langerwehe unterwegs war, um alten und kranken Menschen unterwegs die Kommunion zu bringen, kam immer auch das Gespräch auf die Juden in Langerwehe. „Die Leute haben mir oft davon erzählt“, so Frau Jung. „Und sie haben auch gesagt, dass es schade ist, dass diese Menschen so vollkommen in Vergessenheit geraten sind. Und da ist bei mir Idee die Idee gereift, dass wir auch in Langerwehe Gunter Demnigs Stolpersteine haben sollten.“ Jetzt wurden in Langerwehe 18 der kleinen Kunstwerke verlegt.

Marie-Theres Juung (links) hat das Projekt "Stolpersteine für Langerwehe" initiiert.

Die Geschichten, die hinter den kleinen Stolpersteinen stecken, lassen auch heute noch jedem, der sich damit beschäftigt, den Atem stocken. Der Kölner Künstler Gunter Demnig war in Langerwehe zu Gast, um Stolpersteine zu verlegen, mit denen der Opfer der Naziherrschaft gedacht wird.

An fünf Stellen entlang der Langerweher Hauptstraße wurden Steine verlegt. Hauptstraße 83: Levy und Hedwig Höxter betrieben bis 1938 hier ein Textilgeschäft. Von Tochter Ruth, die in Berlin studierte, fehlt jede Spur. Tochter Erika wanderte nach Palästina aus. Levy, Hedwig und Schwägerin Anneliese wurden 1942 nach Izbica deportiert.

Josef Levy arbeitete als Metzger auf der Hauptstraße 64. Albert Levy war Kaufmann. Beide wurden deportiert und ermordet.

Jonas und Franziska Jakobs betrieben in der Hauptstraße 115 eine Metzgerei. Das Ehepaar kam mit den Kindern Marianne und Josef nach Auschwitz. Dort wurden sie ermordet. Josef starb in Minsk.

Hauptstraße 185: Else und Josef Levy waren Inhaber des Geschäfts Wertheim & Nathan. Sie wurden in Auschwitz ermordet, ihre Tochter überlebte.

Hauptstraße 189: Meier und Irma Wallach und ihre Söhne Manfred und Max waren bis zu ihrer Deportation 1941 in Langerwehe. 1945 wurde die Familie vom Amtsgericht Düren für tot erklärt.

„Das darf nicht vergessen werden. Vielleicht stolpern ja einige Menschen darüber“, sagte Christa Wolske, die mit ihrem Mann einen Stein gesponsert hat. In München hatte sie vor einigen Jahren das Projekt Stolpersteine kennengelernt und nach ihrem Umzug auch bei der Gemeinde Langerwehe angeregt. Daher war sie froh, dass die Langerweher Gruppe der kfd (Katholische Frauengemeinschaft Deutschland) im Frühjahr zu einer Infoveranstaltung einlud, um das Projekt in Langerwehe anzukurbeln. Sponsoren für die 18 Steine waren schnell gefunden. Marie-Theres Jung: „Ich wusste gar nicht, dass es hier so viele jüdische Bürger gegeben hat“, erklärte sie.

Das eigentliche Prozedere dauerte stets nur wenige Minuten. Der Künstler hob die alten Steine aus dem Boden und setzte die mit einem Messingschild versehenen Stolpersteine ein. Die Fugen wurden mit etwas Sand verdichtet, und schon war er fertig.

Gunter Demnig bei der Verlegung von Stolpersteinen.

Das D unseres Adventskalendet-Alphabetes wird Sie, liebe User von toepfergemeinde.de sicherlich ein wenig verwundern, liegt uns aber hier in der Redaktion sehr am Herzen. Es geht heute um den Kölner Künstler Gunter Demnig und seine Stolpfersteine.

Gunter Demnig ist 1947 in Berlin geboren und hat nach dem Abitur Kunstpädagogik, Industrial Design und Freie Kunst studiert. Seit 1985 hat er ein Atelier in Köln, im Jahr 1990 hat er zum ersten Mal eine Aktion zur Erinnerung der Deportation von Sinti und Roma in Köln gemacht. Sechs Jahre später hat er in Berlin-Kreuzberg seine erste Stolpersteine verlegt.

Solche Stolpersteine werden auch in Langerwehe verlegt.

Mit diesen kleinen Kunstwerken erinnert Demnig an die Opfer der Nazi-Zeit in Deutschland, indem er vor ihrem letzten selbstgewählten Wohnort Gedenktafeln aus Messing ins Trottoir einlässt. Inzwischen liegen Stolpersteine in über 500 Orten Deutschlands, zum Beispiel auch in Düren,  und in mehreren Ländern Europas. “Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist”, sagt Gunter Demnig. „Mit den Steinen vor den Häusern wird die Erinnerung an die Menschen lebendig, die einst hier wohnten.“ Auf Initiative der katholischen Frauengemeinschaft in Langerwehe verlegt Gunter Demnig jetzt auch in Langerwehe “Stolperstein” und zwar am Montag, 12. Dezember. Los geht es mit der Verlegeaktion um 13 Uhr. Insgesamt werden an fünf Stellen an der Hauptstraße 18 Stolpersteine verlegt. Abends, um 19 Uhr, wird Gunter Demnig über seine Aktion einen sicherlich interessanten Vortrag im Töpfereimuseum, Pastoratsweg 1, halten.

Wir finden, dass das eine wirklich gute Aktion ist. In diesem Sinne: Allen einen schönen zweiten Adventssonntag!

Seit dem 17. Jahrhundert waren jüdische Familien in Langerwehe zu Hause. Im 19. und 20. Jahrhundert bauten oder erwarben sie ihre Wohn- und Geschäftshäuser vor allem in der Hauptstraße – einige dieser Häuser sind erhalten, vor ihnen werden im Dezember von dem Kölner Künstler Gunter Demnig „Stolpersteine“ als Erinnerung ihrer ehemaligen Bewohner gelegt. Im Haus Hauptstraße 123 – Haus der Familie Eckstein – war zum Beispiel der jüdische Betraum, später wurde im Hof dieses Hauses die kleine Synagoge gebaut. Sie wurde nach 1938 zerstört. Ihre Toten begruben die jüdischen Mitbürger in den letzten 140 Jahren auf dem noch erhaltenen jüdischen Friedhof an der heutigen B 264 Richtung Weisweiler.

Bei einem Rundgang durch Langerwehe informieren Mechthilde und Josef Lothmann am Samstag, 5. November, über Spuren jüdischen Lebens. Begonnen wird um 14.30 Uhr in der Hauptstraße 123 und geendet auf dem jüdischen Friedhof. Einen Anmeldung ist nicht erforderlich.