
Sebastian Berger aus Jüngersdorf hat ein Jahr in Bethlehem gelebt.
„Ich konnte mir überhaupt nicht vorstellen wie es ist, in einer arabischen Kultur zu leben. Und es war komplett anders als in Deutschland.“ Sebastian Berger ist 20 Jahre alt, kommt aus dem Langerweher Ortsteil Jüngersdorf. Vor etwas mehr als einem Jahr war hier genau an dieser Stelle schon einmal die Rede von Sebastian Berger. Damals hatte der junge Mann gerade sein Abitur am Stiftischen Gymnasium „gebaut“ und stand kurz vor einem riesigen Abenteuer. Sebastian Berger hat ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) in Nahen Osten gemacht, genauer gesagt in Bethlehem. Hier hat er an der „Bethlehem Universität Palästina“ gearbeitet. Jetzt ist Sebastian wieder zurück, und bevor er sich zum Jurastudium nach Freiburg verabschiedet hat, hat er sich noch zum Interview mit toepfergemeinde.de getroffen. Sebastian wirkt erwachsener als er von seinen Erfahrungen im Nahen Osten berichtet, irgendwie selbstständiger als noch vor einem Jahr. „Es war schon eine enorme Umstellung“, so der junge Mann, „in einem völlig unbekannten und völlig fremden Kulturkreis zu leben.“ Sebastian Berger hat sich nach dem Abitur für ein Freiwilliges Soziales Jahr entschieden, weil er nicht zum Militär gehen wollte. „So viel Zeit wie nach dem Abitur, um ins Ausland zu gehen, bekommt man später kaum wieder“, sagt Sebastian Berger. „Und ich möchte die Erfahrungen in Bethlehem auch nicht missen.“
An Israel haben Sebastian Berger verschiedene Dinge gereizt: „Zum einen natürlich der Nah-Ost-Konflikt. Ich fand es schon spannend, in einem Gebiet zu leben, das sehr stark durch Krisen geprägt ist.“ Zum anderen, so Sebastian weiter, habe es ihn aber auch sehr interessiert, in einem Land zu leben, wo der Glaube der Menschen so eine große Rolle spielt. „Ich konnte die Orte besuchen, zum Beispiel in Jerusalem, wo die ersten christlichen Gemeinden sich getroffen haben. Das war für mich schon sehr beeindruckend.“
In erster Linie musste Sebastian aber natürlich auch ziemlich viel arbeiten. Acht Stunden dauerte sein Arbeitstag an der Universität. Der junge musste deutsche Besuchergruppen herumführen, war für die Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich und zudem für die Gestaltung der Internetseite der Uni. „Das war schon eine relativ vielseitige und auch verantwortungsbewusste Arbeit.“
„Dienstsprache“ war übrigens Englisch, Arabisch oder Hebräisch hat Sebastian in seiner Zeit in Israel nicht gelernt. „Ich habe keinen Sprachkurs gemacht“, gibt er ehrlich zu, „ich wahr wirklich nicht besonders heiß darauf, Vokabeln zu lernen.“ Sebastian Berger sagt, dass er in Jerusalem viele wertvolle Erfahrungen für sein Leben gemacht hat. „Ich habe gelernt, mit einer neuen Kultur umzugehen. Und ich habe auch gelernt, dass ich schon sehr deutsch fühle und bin.“ Pünktlichkeit und Verantwortungsbewusstsein, so Berger, seien Dinge, die ihm schon sehr wichtig seien. „Das Leben in Bethlehem ist viel spontaner als das Leben in Jüngersdorf“, sagt Sebastian. „Die Leute haben eine völlig andere Lebensdynamik und sind auch nicht so strukturiert wie wir. Auf der anderen Seite meinen sie das, was sie sagen aber auch immer und sagen nichts einfach so daher.“
Am meisten vermisst hat Sebastian Berger in Bethlehem seine Familie und Freunde, darüber hinaus aber auch sein Fahrrad und seine Musikinstrumente. „Junge Leute“, sagt Sebastian, „haben in Bethlehem auch sehr wenig Freizeitmöglichkeiten.“ Es gebe, so der Jura-Student, keine Parks, keine Kinos und keine Theater. „Das war nicht immer einfach.“ Ob er auch Dinge aus Israel vermisst? Diese Frage kann Sebastian erst nach kurzem Überlegen beantworten. Und dann sagt er: „Es ist schön, jetzt wieder einige Zeit in Deutschland zu sein. Aber ich vermisse schon das Gefühl, eine neue Herausforderung zu haben.“ Wie gut, dass Sebastians Studium angefangen hat.