Verfasste Beiträge ‘Merode’

Auf Schloss Merode fanden jetzt zum ersten Mal Ritterspiele statt.

Auf Schloss Merode fanden jetzt zum ersten Mal Ritterspiele statt.

Rotzpuckel, der Hühnerdieb, hat ganz schreckliche Zähne. Nach allen Seiten stehen sie ab. Wegen Diebstahls und Fluchen am Sonntag wurde Rotzbuckel am Wochenende während der Ritterspiele in Merode gesucht. Wer ihn fand, musste ihn sofort den Wachen übergeben. Anschließend durfte der Unhold von den anwesenden Kindern mit gewässerten Schaumstoffbällen beworfen werden.

Bei dieser Schilderung handelt es sich nur um eine der vielen Episoden, die die Ritterspiele am Samstag und Sonntag bereicherten. Zum ersten Mal fand ein derartiges Spektakel in Merode statt. Die Ansage, dass die Spiele im Schlossgarten unmittelbar vor der Bilderbuchkulisse des hochherrschaftlichen Gebäudes stattfinden würden, bewahrheitete sich jedoch nicht. Stattdessen lagerten die Ritter, deren Frauen und Kinder auf einem an den Schlossgarten angrenzendem Gelände. Kirsten Frings, Grafikdesignerin aus Düren, trat als Veranstalterin und Geschäftsführerin der Eventagentur „Noble Ventum“ auf. Helfend zur Seite standen ihr Sylvia Temming, ebenfalls aus Düren und Volker Müller-Westphal aus Kreuzau. Frings: „Rund 20 Stände mit verschiedenen Angeboten und Produkten finden die Besucher vor.“ Hinzu gesellten sich rund 300 Rittersleut etwa aus Bad Münstereifel, Münster, Limburg und Belgien, die es sich in insgesamt neun verschiedenen Zeltlagern gemütlich gemacht hatten. Für die Kampfbahn hatte Kirsten Frings 250 Tonnen Sand anfahren lassen. Abnehmer für den Sand, der nach der Veranstaltung keine Verwendung an dieser Stelle mehr finden wird, wurden am Samstag noch gesucht. Verblüffendes zeigte während des vielseitigen Programms das Gespann „Tarek und Sady“ auf der Kampfbahn. Pferdetrainerin Sylvia „Sady“ Czarnecki und ihr handzahmer Hengst Tarek zeigten Kunststücke der Extraklasse. Diese beiden Geschöpfe vertrauen sich aufgrund langjähriger Erfahrung blind. Trotz des durchweg schlechten Wetters zogen die Ritterspiele zu Pferd viel Publikum an. André Ruck aus Düsseldorf moderierte auf flotte Weise das Turnier. Er sah auf seinen „Sonnenstands-Messer“, den er in der Tasche trug, damit die Spiele auch pünktlich starteten. Er stellte die beiden „Kumpaneien“ vor, die gegeneinander antraten. Eine Kumpanei bestand aus Strebern, die andere aus jenen, die gerne Schindluder treiben. Handgeklapper in Form von „appelatio maximalis“ war den Rittersleut sicher. Wer mochte, konnte zwischendurch im Badezuber von Michael Jansen aus Zülpich entspannen. Rund 2000 Liter warmes Wasser und ein kühles Bier luden zum Verweilen ein.

Rund 50 Menschen nahmen an einer Geschichtsexkursion rund um Merode teil.

Rund 50 Menschen nahmen an einer Geschichtsexkursion rund um Merode teil.

Fast fünfzig geschichtsinteressierte Menschen haben  an der militärgeschichtlichen Exkursion rund um Merode teilgenommen. Lokalhistoriker und Heimatforscher Albert Trostorf führte die dreistündige Tour rund um das Schloss Merode. Dabei berichtete er über die Erfahrungen, die er mit deutschen oder amerikanischen Zeitzeugen gemacht habe und ließ Passagen aus deren persönlichen Aufzeichnungen oder Tagebüchern vor. Besonders ergreifend waren die Tagebuchaufzeichnungen des US-Offizier Miller, von dessen 50 Männern starken Infanteriezug nach knapp 24 Stunden Kampf nur noch ganze vier Soldaten übrig geblieben waren. Genauso tragisch und traurig waren die Erlebnisse eines deutschen Unteroffiziers, welcher als einziger den Gegenangriff auf die Laufenburg überlebt hat. Albert Trostorf erforscht seit mehr als 30 Jahren die Kriegsgeschichte seiner Heimatgemeinde. Dadurch konnte in der Vergangenheit mit dazu beitragen, so manches Vermisstenschicksal aufzuklären. Besonders nennenswert sind hier die Schicksale des US Soldaten Kermit E. Sargent aus Virginia und des deutschen Fallschirmjägers Hermann Ihrig aus der Pfalz. Beide Soldaten galten jahrzehntelang als vermisst. Ihre Gräber wurden durch Zufall in den vergangenen Jahren. Durch intensive Nachforschungen konnte Albert Trostorf Kontakt zu den Angehörigen herstellen und diese über die Grablagen ihrer Angehörigen in informieren.

Aufgrund von vielen Anfragen, wird es voraussichtlich im Oktober eine weitere Exkursion durch das Merode Gebiet geben. Im November dieses Jahres wird zum gleichen Thema, voraussichtlich am  Jahrestag des  „Debakel von Merode“ ,  eine Powerpoint-Präsentation mir umfangreichen Foto- und  Dokumentenmaterial stattfinden.

 

Thomas Marx und Saskia Werres sind das neue Königspaar in Merode.

Thomas Marx und Saskia Werres sind das neue Königspaar in Merode.

In Merode war während des Maifestes viel geboten. Während am Freitagabend überwiegend junge Leute eine „tolle Party“ feierten, sah ein „gemischtes Alter und viel Dorfbevölkerung“ die Krönung des Maikönigpaares Thomas Marx und Saskia Werres am Samstag, so Ralf Schumacher von der Maigesellschaft Merode: „Die Stimmung war ausgelassen. Das Königspaar hat sogar auf den Tischen getanzt.“

40 Jahre wird das Maifest nun schon im Meroder Schlosspark gefeiert, und in diesem Jahr hing erstmals das Meroder Stadtwappen als Fahnenschmuck im Ort aus. Am Sonntagmorgen wurden die ehemaligen Maikönige Eugen Wamig (1989), Johannes Schmitz-Schunken (1974) und Wolfgang Greven (1964) geehrt, bevor es mit rund 40 Gruppen – unter anderem auch mit vielen Ehemaligen, die weiterhin Verbundenheit zeigen – im großen Maiumzug durch Merode ging.

Am Abend wurde das Königspaar dann zum Königsball unter Feuerwerk und dem Motto „Familiensache“ abgeholt. „In diesem Jahr sind der Maikönig und die gesamte Maipolizei aus einer Familie“, erklärt Schumacher die Besonderheit.

Ein neues Gedenkkreuz gedenkt der Opfer des Krieges.

Ein neues Gedenkkreuz gedenkt der Opfer des Krieges.

Am Laufenburger Steingracht auf dem Weg von Merode zur Laufenburg wurde jetzt ein weiteres Gedenkkreuz der Z.I.F. Zeitgeschichte: Interdisziplinäre Forschungsgruppe eingeweiht. Dieses Gedenkkreuz ist zugleich eine Mahn- und Gedenkstätte. Es erinnert an die schweren Kämpfe, die von Mitte November bis Anfang Dezember 1944 im Meroder Wald stattgefunden haben. Mehrere hunderte junge Soldaten beider Seiten wurden damals Opfer dieser Kämpfe.Stellvertretend für die Opfer werden dafür auf der Gedenktafel erwähnt: Panzerjäger Werner Zimmermann aus Thüringen und US Army Offizier George E. Tragnitz. Beide Männer fielen im November 1944 unweit dieser Gedenkstätte. Bei der Einweihung waren neben den Mitarbeitern der Z.i.F. auch die Angehörigen von Werner Zimmermann aus Thüringen angereist. Die Angehörigen von George E. Tragnitz konnten leider nicht an dieser Veranstaltung teilnehmen.

Für beide Familien ist es eine große Ehre, dass das Andenken an ihren Angehörigen durch dieses Projekt der Z.I.F. bewahrt und geehrt wird. Weitere Gedenkkreuze der Z.I.F. werden im Laufe der nächsten Monate im Raum Aachen sowie in den Gemeinden Büllingen und Bütgenbach in Belgien aufstellt.

Merode feiert Geburtstag!

Merode feiert Geburtstag!

„Es ist sehr ungewöhnlich, dass die gleiche Familie von Anfang an vor Ort ist. Erst auf dem mittelalterlichen Lehnsgut, später in einem Schloss. In Merode ist das so.“ Prinz Henri-Albert de Merode (38) kennt die Geschichte seiner Familie genau. Aber auch der Meroder Ortsvorsteher Albert Trostorf (50) und Philipp Schmitz-Schunken (31) von der Dorfgemeinschaft sind mit der Historie „ihres“ Dorfes bestens vertraut. Im Jahr 1174 wurde Merode in einer Maastrichter Urkunde zum ersten Mal erwähnt, in diesem Jahr feiert die Herrschaft, zu der außerdem noch die Orte Echtz, Konzendorf, Geich, Obergeich, Schlich und D`horn gehören, also ihren 840. Geburtstag.

rinz Henri-Albert de Merode, Ortsvorsteher Albert Trostorf und Philipp Schmitz-Schunken (von links).

rinz Henri-Albert de Merode, Ortsvorsteher Albert Trostorf und Philipp Schmitz-Schunken (von links).

„Unsere Familie“, erzählt Prinz Albert-Henri, „hat unter Kaiser Barbarossa hier ein Lehnsgut erhalten. Unsere Aufgabe war, den Menschen einen gewissen Schutz zu gewährleisten.“ Die Herrschaft lag damals an einer strategisch wichtigen Straße, der Aachen-Frankfurter-Heer-straße. Mindestens 30 deutsche Kaiser zogen durch die Herrschaft Merode nach Aachen, auch die Jakobspilger waren auf der Heerstraße unterwegs nach Santiago de Compostela. Philipp Schmitz-Schunken: „Die Aachen-Frankfurter-Heerstraße ging mitten durch die Herrschaft. Heute ist die Buslinie 237 die ‚Herrschaftslinie‘. Sie führt durch alle Dörfer bis nach Düren.“

Das Wappen von Merode

Das Wappen von Merode

Während der Kaiserzeit habe sich die Herrschaft Merode gut entwickelt, erzählt Prinz Henri-Albert. Die Familie de Merode benannte damals den Stadthalter von Aachen, es gab enge Kontakte zu Friedrich Barbarossa. „Irgendwann sind wir mit dem Kaiser nach Flandern gezogen. Man kann sagen, dass wir eine belgische Familie mit rheinischen Wurzeln sind. Merode ist unser Ursprung, unsere Wiege.“
Mit dem wachsenden Einfluss des Herzogs von Jülich ist die politische Bedeutung der Herrschaft Merode weggefallen. Und trotzdem war das Schloss immer Mittelpunkt des Ortes. Ortsvorsteher Albert Trostorf: „Bis zum Zweiten Weltkrieg war Merode eigentlich immer gleich. Erst danach haben sich neue Wohngebiete und Straßen entwickelt. Die Entwicklung nach dem Krieg endete mit der Eingliederung in die Gemeinde Langerwehe.“

Die beiden Weltkriege, aber auch der 30-jährige Krieg und der spanische Erbfolgekrieg, betont Trostorf, hätten die Geschichte von Merode stark geprägt. Genau wie der Brand des Schlosses im Jahr 2000, bei dem 80 Prozent des Gebäudes zum Teil erheblich beschädigt worden sind. „Merode hat viele schlechte Zeiten erlebt“, weiß Trostorf, „aber genau dann ist die Dorfgemeinschaft auch immer noch enger zusammengewachsen.“ Das ist auch heute noch spürbar. 500 der 750 Bürger von Merode sind Mitglied der Dorfgemeinschaft, etwa genau so viele Mitglieder hat auch der Förderverein des Schlosses. Prinz Albert-Henri: „Eine funktionierende Dorfgemeinschaft ist gerade auch in Zeiten einer immer stärker alternden Gesellschaft wichtig. Einander Helfen, seine Wurzeln nicht vergessen, dass kann für einen Ort sehr viel Halt bedeuten.“

Im Jubiläumsjahr hat die Dorfgemeinschaft Meroder Fahnen, wie es sie schon im 12. Jahrhundert gegeben hat, mit vier roten Balken auf goldenem Grund anfertigen lassen. In allen Ortsteilen der Herrschaft und im Schlosspark steht ein ganz besonderer Baum. Schmitz-Schunken: „Es ist die Birne von Merode, die um das Jahr 1800 dem damaligen Grafen von Merode gewidmet wurde.“

Überhaupt, erklärt Schmitz-Schunken, sei der Zusammenhalt zwischen allen sieben Orten der Herrschaft sehr gut. Für die Zukunft wünschen sich Philipp Schmitz-Schunken und Albert Trostorf ein paar Einwohner mehr und ein Dorfgemeinschaftshaus. Ziele, die auch die Dorfkonferenz so formuliert hat. Philipp Schmitz-Schunken: „Mehr Einwohner deshalb, weil es dann gelingen kann, das soziale Leben im Ort zu stärken. Aber nicht zu viele. Denn das, was Merode auch ausmacht, ist die Tatsache, dass hier jeder jeden kennt.“

Nach dem Jubiläumsfest am 11. April, dem offiziellen Gründungstag der Herrschaft Merode, sind weitere Aktionen zum Jubiläum geplant. Drei, die die Planungen fest im Blick haben, sind neben unzähligen engagierten Bürgern Prinz Henri-Albert de Merode, Ortsvorsteher Albert Trostorf und Philipp Schmitz-Schunken von der Dorfgemeinschaft.

Der Familientag zum 840-jährigen Jubiläum soll am Sonntag, 7. September, im Schlosspark gefeiert werden. Am gleichen Wochenende, also am Freitag, 5. und Samstag, 6. September, feiert hier die Bläservereinigung Merode ihren 40. Geburtstag. Am Samstag spielen dann die „Original Zillertaler“ im Schlosspark auf. Sonntags soll es dann ein fröhliches Fest für die ganze Familie geben, an dem sich verschiedene Ortsvereine beteiligen werden.

Dass die Menschen in der Herrschaft feiern können, stellen sie aber auch schon am kommenden Wochenende unter Beweis. Von Freitag, 9., bis Sonntag, 11. Mai, lädt die Maigesellschaft zu ihrem traditionellen Maifest ein. Einer der Höhepunkte ist ohne Zweifel der Festzug am Sonntag um 14.30 Uhr. Eintrittskarten zum Königsball am Samstag gibt es an der Abendkasse zum Preis von sieben Euro.