Verfasste Beiträge ‘Katholische Frauengemeinschaft’

In Langerwehe wurden Stolpersteine verlegt.

Wenn Marie-Theres Jung von der katholischen Frauengemeinschaft in Langerwehe unterwegs war, um alten und kranken Menschen unterwegs die Kommunion zu bringen, kam immer auch das Gespräch auf die Juden in Langerwehe. „Die Leute haben mir oft davon erzählt“, so Frau Jung. „Und sie haben auch gesagt, dass es schade ist, dass diese Menschen so vollkommen in Vergessenheit geraten sind. Und da ist bei mir Idee die Idee gereift, dass wir auch in Langerwehe Gunter Demnigs Stolpersteine haben sollten.“ Jetzt wurden in Langerwehe 18 der kleinen Kunstwerke verlegt.

Marie-Theres Juung (links) hat das Projekt "Stolpersteine für Langerwehe" initiiert.

Die Geschichten, die hinter den kleinen Stolpersteinen stecken, lassen auch heute noch jedem, der sich damit beschäftigt, den Atem stocken. Der Kölner Künstler Gunter Demnig war in Langerwehe zu Gast, um Stolpersteine zu verlegen, mit denen der Opfer der Naziherrschaft gedacht wird.

An fünf Stellen entlang der Langerweher Hauptstraße wurden Steine verlegt. Hauptstraße 83: Levy und Hedwig Höxter betrieben bis 1938 hier ein Textilgeschäft. Von Tochter Ruth, die in Berlin studierte, fehlt jede Spur. Tochter Erika wanderte nach Palästina aus. Levy, Hedwig und Schwägerin Anneliese wurden 1942 nach Izbica deportiert.

Josef Levy arbeitete als Metzger auf der Hauptstraße 64. Albert Levy war Kaufmann. Beide wurden deportiert und ermordet.

Jonas und Franziska Jakobs betrieben in der Hauptstraße 115 eine Metzgerei. Das Ehepaar kam mit den Kindern Marianne und Josef nach Auschwitz. Dort wurden sie ermordet. Josef starb in Minsk.

Hauptstraße 185: Else und Josef Levy waren Inhaber des Geschäfts Wertheim & Nathan. Sie wurden in Auschwitz ermordet, ihre Tochter überlebte.

Hauptstraße 189: Meier und Irma Wallach und ihre Söhne Manfred und Max waren bis zu ihrer Deportation 1941 in Langerwehe. 1945 wurde die Familie vom Amtsgericht Düren für tot erklärt.

„Das darf nicht vergessen werden. Vielleicht stolpern ja einige Menschen darüber“, sagte Christa Wolske, die mit ihrem Mann einen Stein gesponsert hat. In München hatte sie vor einigen Jahren das Projekt Stolpersteine kennengelernt und nach ihrem Umzug auch bei der Gemeinde Langerwehe angeregt. Daher war sie froh, dass die Langerweher Gruppe der kfd (Katholische Frauengemeinschaft Deutschland) im Frühjahr zu einer Infoveranstaltung einlud, um das Projekt in Langerwehe anzukurbeln. Sponsoren für die 18 Steine waren schnell gefunden. Marie-Theres Jung: „Ich wusste gar nicht, dass es hier so viele jüdische Bürger gegeben hat“, erklärte sie.

Das eigentliche Prozedere dauerte stets nur wenige Minuten. Der Künstler hob die alten Steine aus dem Boden und setzte die mit einem Messingschild versehenen Stolpersteine ein. Die Fugen wurden mit etwas Sand verdichtet, und schon war er fertig.

So sehen die Stolpersteine von Gunter Demnig aus. Dieser liegt in der Stürtzstraße in Düren.

Wie toepfergemeinde.de bereits berichtet hat, sollen auch in Langerwehe so genannte Stolpersteine des Kölner Künstlers Gunter Demnig verlegt werden. Die Katholische Frauengemeinschaft (kfd) hatte die Idee zu der Aktion. Gunter Demnig  erinnert mit seinen kleinen Kunstwerken an die Opfer der Nazi-Zeit in Deutschland, indem er vor ihrem letzten selbstgewählten Wohnort Gedenktafeln aus Messing ins Trottoir einlässt. Inzwischen liegen Stolpersteine in über 500 Orten Deutschlands, zum Beispiel auch in Düren,  und in mehreren Ländern Europas. “Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist”, sagt Gunter Demnig. „Mit den Steinen vor den Häusern wird die Erinnerung an die Menschen lebendig, die einst hier wohnten.“

Mittlerweile hat ein erstes Informationstreffen in Langerwehe statt gefunden, es haben sich bereits Sponsoren gefunden (jeder Stolperstein kostet um die 100 Euro) und Ralph Becker aus Luchem hat seine Recherchen über jüdische Familien in Langerwehe zur Verfügung gestellt.

In der Kategorie “Nachgeforscht” will toepfergemeinde.de versuchen, ein wenig über die Geschichte der Wehter Juden zu erzählen. In den 30er Jahren haben etwa 60 Jüdinnen und Juden in Langerwehe gelebt, 23 haben es nicht geschafft, sich vor den Nazis in Sicherheit zu bringen.

Dr. Hans Porschen.

Wir beginnen unsere neue Serie mit dem Kaufmann Leo Höxter. Dr. Hans Porschen, ehemaliger Ortsvorsteher von Langerwehe, hat uns mit Informationen über Herrn Höxter versorgt. Wenn auch Sie, liebe Leser von toepfergemeinde.de, Kenntnisse über jüdische Familien in Langerwehe haben, dann lassen Sie es uns bitte wissen. Damit zumindest einige Namen, denen Gunter Demnig im Dezember einen Stolperstein setzen wird, auch ein Gesicht, eine kleine Geschichte bekommten.

Leo Höxter ist am 28. August 1882 geboren, ihm gehörten die Häuser Hauptstraße 83 und 85. Er war der festen Überzeugung, dass die Nazis, ihm nichts anhaben würden. Höxter hatte im ersten Weltkrieg für Deutschland gekämpft und war sogar mit einer Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet worden. Kein Wunder also, dass er seine Textilgeschäft in der Hauptstraße auch nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten unbeirrt weiter führte.

Hier hat Leo Höxter mit seiner Familie gewohnt.

Er war in Langerwehe beliebt. Sehr beliebt sogar. Nicht selten konnten die Kunden bei Leo Höxter in Raten bezahlen, manchmal sogar ohne Anzahlung. Viele Kinder ärmerer Familien soll er für ihre Erste Heilige Kommunion unentgeldlich ausgestattet haben.

Irgendwann wurden Leo Höxter und seine Familie in einem Haus im Aachener Stadtteil Diepenbenden untergebracht, einige Male durfte er von da aus noch nach Langerwehe fahren. Alle Bewohner der Sammelunterkunft in Diepenbenden sind während des Krieges abtransportiert worden. Wohin, weiß keiner genau. Sicher ist nur, dass Leo Höxter und seine Frau verschollen sind. Von den beiden Töchtern ist nach dem Krieg nur Erika wieder aufgetaucht, sie war früh nach Israel ausgewandert. Der großen Beliebtheit Leo Höxters ist es wohl zu verdanken, dass heute in Langerwehe die Südtangente vom Bahnhofsplatz bis zur Einmündung in den Kreisverkehr (in unmittelbarer Nähe des jüdischen Friedhofs) nach ihm benannt wurde.

Marie-Theres Jung (links) überreicht eine erste Spende an Sonja Waltl vom Verein "Frauen helfen Frauen".

„kfd- Wir stärken Frauen in ihrer Einzigartigkeit und in ihren jeweiligen Lebenssituationen“, o lautet einer der zehn Leitbildsätze des Bundesverbandes der „Katholischen Frauen Deutschlands“ (kfd). Aus diesem Leitbildsatz heraus hat die kfd- Gruppe St. Martin Langerwehe in ihrer jüngsten Jahreshauptversammlung  beschlossen, den Verein „Frauen helfen Frauen“ aus  Düren, der unter anderem auch das Frauenhaus in Düren unterhält, regelmäßig zu unterstützen. Eine erste Spende konnte Marie-Theres Jung, Vorsitzende der Langerweher kfd-Gruppe jetzt an Sonja Waltl von „Frauen helfen Frauen“ übergeben.

Marie-Theres Jung: „Die Frauen der kfd- Langerwehe möchten damit ein Zeichen setzten und symbolisieren, dass es wichtig ist nicht nur an eigene Interessen und Freuden zu  denken, sondern auch an  Frauen, die in schwierigen Lebenssituationen sind, in denen Freuden ausbleiben.“

Nach einem Gottesdienst mit dem Thema. „Türen öffnen für andere“, den die kfd-Gruppen selbst gestaltet hatten, berichtete Sonja Waltl von den vielen Facetten der „Häuslichen Gewalt“. Sie stellte anonymisiert, den Weg einer Frau ins Frauenhaus, als Übergang in ein selbständiges Leben, dar.  Die kfd-Frauen waren sehr interessiert daran, mehr über die Beratungstätigkeit  des Vereins und seine Finanzierung zu erfahren.

So sehen die Stolpersteine von Gunter Demnig aus. Dieser liegt in der Stürtzstraße in Düren.

Auf Initiative der Katholischen Frauengemeinschaft (KFD) sollen auch in Langerwehe demnächst „Stolpersteine“ des Kölner Künstlers Gunter Demnig verlegt werden (toepfergemeinde.de berichtete). Mit den „Stolpersteinen“ soll an die Opfer der NS-Zeit erinnert werden Vor den Wohnhäusern von Menschen, die aufgrund ihrer Religion oder politischen Gesinnung von den Nazis verfolgt, deportiert und schließlich zum Beispiel in Konzentrationslagern ums Leben gekommen sind, werden kleine Messingplättchen mit den Namen der Betroffenen in den Boden eingelassen. Gunter Demnig hat eine Verlegung seiner Stolpersteine“, die es mittlerweile schon in 500 Orten Deutschlands (auch in Düren) gibt, für Dezember in Langerwehe zugesagt.

Um die Bürger über das Projekt zu informieren und auch um Sponsoren für die „Stolpersteine“, die pro Stück knapp 100 Euro kosten, zu finden, findet am Donnerstag, 7. April, um 19.30 Uhr eine erste Informationsveranstaltung im Pfarr- und Jugendheim Langerwehe, Auf den Kämpen 1, statt.