Verfasste Beiträge ‘Juden’

Die Geschichte ihres Heimatortes liegt ihnen sehr am Herzen: Mechthilde Lothmann, Katharina Valder, Luzia Wamig und Hermann-Josef Nathaus vom Geschichts- und Heimatverein „Herrschaft Merode“.

„Deutsche jüdischen Glaubens in der Herrschaft Merode und in Langerwehe“ heißt ein Buch von Mechtilde Lothmann, dass der „Geschichts- und Heimatverein Herrschaft Merode“ im Herbst vergangenen Jahres herausgebracht hat. Zu den mehrjährigen, sehr umfangreichen Recherchen der Autorin gehöre auch intensive Korrespondenz mit der israelischen Botschaft in Berlin. Als ihr Buch fertig war, hat Mechtilde Lothmann ein Exemplar in die deutsche Hauptstadt geschickt.  

Von hier aus hat es den Weg in die Gedenkstätte „Yad Vashem“ in Jerusalem gefunden. . „Yad Vashem“ ist eine bedeutende Holocaust-Gedenkstätte. Die umfangreiche Dokumentation umfasst den Zeitraum von den frühen 30er Jahren bis 1945. Doch auch jüdisches Leben vor dem Krieg und das Schicksal der Überlebenden sind dokumentiert.  Im Januar nun erhielt Mechtilfe Lothmann nun Post aus Yad Vachem mit besonderem Dank und Anerkennung. In dem Brief heißt es, dass ihr Buch einen wichtigen Beitrag für die Bibkiothek „Yad Vashems“ leiste. Die Bücherei versuche nämlich nicht nur, die heutigen Besucher zu informieren, sondern auch umfangreiches Archiv zu sein für möglichst viele veröffentlichte Informationen und Texte über den Holocaust aus der ganzen Welt.  

Die erste Auflage von „Deutsche jüdischen Glaubens in der Herrschaft Merode und in Langerwehe“ war innerhalb weniger Wochen vergriffen, jetzt hat der „Geschichts- und Heimatverein Herrschaft Merode“ eine zweite Auflage veröffentlicht. Die Bücher kosten sechs Euro und sind ab sofort bei den Sparkassen-Geschäftsstellen in Langerwehe und Schlich, bei der Volksbank in Schlich sowie in der St.-Martin-Apotheke in der Töpfergemeinde erhältlich.

Seit dem 17. Jahrhundert waren jüdische Familien in Langerwehe zu Hause. Im 19. und 20. Jahrhundert bauten oder erwarben sie ihre Wohn- und Geschäftshäuser vor allem in der Hauptstraße – einige dieser Häuser sind erhalten, vor ihnen werden im Dezember von dem Kölner Künstler Gunter Demnig „Stolpersteine“ als Erinnerung ihrer ehemaligen Bewohner gelegt. Im Haus Hauptstraße 123 – Haus der Familie Eckstein – war zum Beispiel der jüdische Betraum, später wurde im Hof dieses Hauses die kleine Synagoge gebaut. Sie wurde nach 1938 zerstört. Ihre Toten begruben die jüdischen Mitbürger in den letzten 140 Jahren auf dem noch erhaltenen jüdischen Friedhof an der heutigen B 264 Richtung Weisweiler.

Bei einem Rundgang durch Langerwehe informieren Mechthilde und Josef Lothmann am Samstag, 5. November, über Spuren jüdischen Lebens. Begonnen wird um 14.30 Uhr in der Hauptstraße 123 und geendet auf dem jüdischen Friedhof. Einen Anmeldung ist nicht erforderlich.

Solche Stolpersteine sollen auch in Langerwehe verlegt werden.

Das nächste Treffen zur Vorbereitung der Aktion Stolpersteine findet in Langerwehe am Montag, 18. Juli, um 19.30 Uhr im Pfarrheim, Auf den Kämpen 1, statt. Neben der Verlegung von Stolpersteinen zur Erinnerung an die Opfer des Holocausts soll es in Langerwehe auch ein Begleitprogramm geben, das auch Jugendliche anspricht. Außerdem ist ein Gedenkbuch geplant, in dem die Namen der jüdischen Bürger wieder ein Gesicht bekommen, und in dem an ihr Leben in Langerwehe erinnert werden soll. Um diese Projekte in die Tat um zu setzen, werden ehrenamtliche Helfer gesucht, die Lust haben, Aktionen mit Jugendlichen durchzuführen, Gespräche mit Zeitzeugen zu führen oder nach Nachkommen der ehemaligen jüdischen Bürger von Langerwehe zu suchen. Wer Ideen hat und mitmachen möchte, kann sich an Marie-Theres Jung, Rufnummer 02423/1339, oder an Elisabeth Johnen, Telefonnummer 02423/4784,  wenden.

So sehen die Stolpersteine von Gunter Demnig aus. Dieser liegt in der Stürtzstraße in Düren.

Wie toepfergemeinde.de bereits berichtet hat, sollen auch in Langerwehe so genannte Stolpersteine des Kölner Künstlers Gunter Demnig verlegt werden. Die Katholische Frauengemeinschaft (kfd) hatte die Idee zu der Aktion. Gunter Demnig  erinnert mit seinen kleinen Kunstwerken an die Opfer der Nazi-Zeit in Deutschland, indem er vor ihrem letzten selbstgewählten Wohnort Gedenktafeln aus Messing ins Trottoir einlässt. Inzwischen liegen Stolpersteine in über 500 Orten Deutschlands, zum Beispiel auch in Düren,  und in mehreren Ländern Europas. “Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist”, sagt Gunter Demnig. „Mit den Steinen vor den Häusern wird die Erinnerung an die Menschen lebendig, die einst hier wohnten.“

Mittlerweile hat ein erstes Informationstreffen in Langerwehe statt gefunden, es haben sich bereits Sponsoren gefunden (jeder Stolperstein kostet um die 100 Euro) und Ralph Becker aus Luchem hat seine Recherchen über jüdische Familien in Langerwehe zur Verfügung gestellt.

In der Kategorie “Nachgeforscht” will toepfergemeinde.de versuchen, ein wenig über die Geschichte der Wehter Juden zu erzählen. In den 30er Jahren haben etwa 60 Jüdinnen und Juden in Langerwehe gelebt, 23 haben es nicht geschafft, sich vor den Nazis in Sicherheit zu bringen.

Dr. Hans Porschen.

Wir beginnen unsere neue Serie mit dem Kaufmann Leo Höxter. Dr. Hans Porschen, ehemaliger Ortsvorsteher von Langerwehe, hat uns mit Informationen über Herrn Höxter versorgt. Wenn auch Sie, liebe Leser von toepfergemeinde.de, Kenntnisse über jüdische Familien in Langerwehe haben, dann lassen Sie es uns bitte wissen. Damit zumindest einige Namen, denen Gunter Demnig im Dezember einen Stolperstein setzen wird, auch ein Gesicht, eine kleine Geschichte bekommten.

Leo Höxter ist am 28. August 1882 geboren, ihm gehörten die Häuser Hauptstraße 83 und 85. Er war der festen Überzeugung, dass die Nazis, ihm nichts anhaben würden. Höxter hatte im ersten Weltkrieg für Deutschland gekämpft und war sogar mit einer Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet worden. Kein Wunder also, dass er seine Textilgeschäft in der Hauptstraße auch nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten unbeirrt weiter führte.

Hier hat Leo Höxter mit seiner Familie gewohnt.

Er war in Langerwehe beliebt. Sehr beliebt sogar. Nicht selten konnten die Kunden bei Leo Höxter in Raten bezahlen, manchmal sogar ohne Anzahlung. Viele Kinder ärmerer Familien soll er für ihre Erste Heilige Kommunion unentgeldlich ausgestattet haben.

Irgendwann wurden Leo Höxter und seine Familie in einem Haus im Aachener Stadtteil Diepenbenden untergebracht, einige Male durfte er von da aus noch nach Langerwehe fahren. Alle Bewohner der Sammelunterkunft in Diepenbenden sind während des Krieges abtransportiert worden. Wohin, weiß keiner genau. Sicher ist nur, dass Leo Höxter und seine Frau verschollen sind. Von den beiden Töchtern ist nach dem Krieg nur Erika wieder aufgetaucht, sie war früh nach Israel ausgewandert. Der großen Beliebtheit Leo Höxters ist es wohl zu verdanken, dass heute in Langerwehe die Südtangente vom Bahnhofsplatz bis zur Einmündung in den Kreisverkehr (in unmittelbarer Nähe des jüdischen Friedhofs) nach ihm benannt wurde.