Verfasste Beiträge ‘Gunter Deming’

So sehen die Stolpersteine von Gunter Demnig aus. Dieser liegt in der Stürtzstraße in Düren.

Wie toepfergemeinde.de bereits berichtet hat, sollen auch in Langerwehe so genannte Stolpersteine des Kölner Künstlers Gunter Demnig verlegt werden. Die Katholische Frauengemeinschaft (kfd) hatte die Idee zu der Aktion. Gunter Demnig  erinnert mit seinen kleinen Kunstwerken an die Opfer der Nazi-Zeit in Deutschland, indem er vor ihrem letzten selbstgewählten Wohnort Gedenktafeln aus Messing ins Trottoir einlässt. Inzwischen liegen Stolpersteine in über 500 Orten Deutschlands, zum Beispiel auch in Düren,  und in mehreren Ländern Europas. “Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist”, sagt Gunter Demnig. „Mit den Steinen vor den Häusern wird die Erinnerung an die Menschen lebendig, die einst hier wohnten.“

Mittlerweile hat ein erstes Informationstreffen in Langerwehe statt gefunden, es haben sich bereits Sponsoren gefunden (jeder Stolperstein kostet um die 100 Euro) und Ralph Becker aus Luchem hat seine Recherchen über jüdische Familien in Langerwehe zur Verfügung gestellt.

In der Kategorie “Nachgeforscht” will toepfergemeinde.de versuchen, ein wenig über die Geschichte der Wehter Juden zu erzählen. In den 30er Jahren haben etwa 60 Jüdinnen und Juden in Langerwehe gelebt, 23 haben es nicht geschafft, sich vor den Nazis in Sicherheit zu bringen.

Dr. Hans Porschen.

Wir beginnen unsere neue Serie mit dem Kaufmann Leo Höxter. Dr. Hans Porschen, ehemaliger Ortsvorsteher von Langerwehe, hat uns mit Informationen über Herrn Höxter versorgt. Wenn auch Sie, liebe Leser von toepfergemeinde.de, Kenntnisse über jüdische Familien in Langerwehe haben, dann lassen Sie es uns bitte wissen. Damit zumindest einige Namen, denen Gunter Demnig im Dezember einen Stolperstein setzen wird, auch ein Gesicht, eine kleine Geschichte bekommten.

Leo Höxter ist am 28. August 1882 geboren, ihm gehörten die Häuser Hauptstraße 83 und 85. Er war der festen Überzeugung, dass die Nazis, ihm nichts anhaben würden. Höxter hatte im ersten Weltkrieg für Deutschland gekämpft und war sogar mit einer Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet worden. Kein Wunder also, dass er seine Textilgeschäft in der Hauptstraße auch nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten unbeirrt weiter führte.

Hier hat Leo Höxter mit seiner Familie gewohnt.

Er war in Langerwehe beliebt. Sehr beliebt sogar. Nicht selten konnten die Kunden bei Leo Höxter in Raten bezahlen, manchmal sogar ohne Anzahlung. Viele Kinder ärmerer Familien soll er für ihre Erste Heilige Kommunion unentgeldlich ausgestattet haben.

Irgendwann wurden Leo Höxter und seine Familie in einem Haus im Aachener Stadtteil Diepenbenden untergebracht, einige Male durfte er von da aus noch nach Langerwehe fahren. Alle Bewohner der Sammelunterkunft in Diepenbenden sind während des Krieges abtransportiert worden. Wohin, weiß keiner genau. Sicher ist nur, dass Leo Höxter und seine Frau verschollen sind. Von den beiden Töchtern ist nach dem Krieg nur Erika wieder aufgetaucht, sie war früh nach Israel ausgewandert. Der großen Beliebtheit Leo Höxters ist es wohl zu verdanken, dass heute in Langerwehe die Südtangente vom Bahnhofsplatz bis zur Einmündung in den Kreisverkehr (in unmittelbarer Nähe des jüdischen Friedhofs) nach ihm benannt wurde.