Verfasste Beiträge ‘Agnieszka Krieger’

Die Gräfin strahlt wieder.

Innerhalb weniger Stunden sind durch den Brand auf Schloss Merode Werke aus vielen Jahrhunderten vernichtet. Vieles ist unwiederbringlich zerstört, anderes muss in mühevoller Arbeit restauriert werden. Jahre werden die Arbeiten noch beanspruchen, bis auch die letzten Spuren des Feuers nicht mehr auszumachen sind.

Agnieszka Krieger trägt das Ihre dazu bei, dass eines Tages wieder alles in altem Glanz erstrahlen kann. Die Schlicherin mit polnischen Wurzeln ist Gemälderestauratorin. Es war vor allem Löschwasser, das den zahlreichen alten Ölgemälden im Schloss großen Schaden zufügte. Einige Bilder hat Agnieszka Krieger seitdem bereits restauriert. Jetzt war es Magdalena Gräfin von Nassau-Katzenelnbogen, die sich den Eingriffen der Restauratorin unterziehen durfte. Schon während der Frühlingspromenade 2010 auf Schloss wurde das 2,10 mal 1,15 Meter große Gemälde den Besuchern präsentiert – damals noch im unrestaurierten Zustand. Zwar war es in der Vergangenheit schon mehrfach Restaurierungsmaßnahmen unterworfen worden, aber meistens mit ungeeigneten Materialen und Mitteln, die die Leinwand stark verformt haben.

Das Portrait aus dem Jahr 1618 zeigt die junge Dame in lebensgroßer Statur; ein Hündchen leistet ihr beim Modellstehen Gesellschaft. Von den kräftigen Farben ihres Hofkleides mit filigranen Spitzen war nach dem Brand nicht viel übrig geblieben. Eine mehrere Monate währende Kur im Atelier der Restauratorin hat wahre Wunder bewirkt: Die Gräfin strahlt den Betrachter an, als sei sie erst gestern und nicht schon vor vierhundert Jahren vom Pinsel des Künstlers auf die Leinwand gebracht worden. Dem Insider wird übrigens ein interessantes Detail nicht entgehen: Ein kleiner Löwenkopf ziert den Griff des Wedels in der Hand der Gräfin – das Wappen derer zu Katzenelnbogen.

„Von meinen Kunden bekomme ich normalerweise wesentlich kleinere Gemälde“, schmunzelt Agnieszka Krieger. Der Aufwand sei schon groß gewesen. „Aber es ist immer wieder befriedigend, wenn man dem Schloss ein Stück Geschichte zurückgeben kann.“

Agnieszka Krieger arbeitet gerade an einem großen gemälde aus Schloss Merode.

„Ja, es ist immer eine große Freude, wenn ich mit einem Bild fertig bin. Wirklich.“ Agnieszka Krieger aus dem Langerweher Ortsteil Schlich ist gelernte Gemälderestauratorin. Sie ist im polnischen Breslau aufgewachsen, hat dort ein Kunstgymnasium besucht und später in Lüttich (Belgien) studiert. Der Liebe wegen ist sie vor acht Jahren nach Langerwehe gezogen.

Zum Glück, denn seit einiger Zeit ist die Gemälderestauratorin mit der Sanierung einiger Bilder aus dem Schloss Merode beschäftigt. Dort hat es bekanntermaßen vor zehn Jahren fürchterlich gebrannt, etliche Bilder sind durch Rauch und Löschwasser stark in Mitleidenschaft gezogen. „Diese Arbeiten“, so Agnieszka Krieger, „gehören schon mit zu dem Schwersten, was ich bisher gemacht habe. Die Bilder sind schon sehr, sehr beschädigt.“ Im Augenblick arbeitet Agnieszka Krieger an einem sehr, großen Ölgemälde aus dem 17. Jahrhundert, das eine Verwandte des Prinzen von Merode zeigt. Dieses Bild ist das vierte aus dem Schloss Merode, das sie wiederherstellt. „Den Kontakt zum Schloss hat in der Hauptsache mein Mann vermittelt“, sagt Agnieszka Krieger. Ihr Schwiegervater hat als Kastellan auf Schloss Merode gearbeitet, es habe immer schon eine enge Verbindung zwischen ihrer Familie und der Prinzenfamilie bestanden.

Beim ersten Bild hat Agnieszka Krieger noch ehrenamtlich für die Meroder Prinzenfamilie gearbeitet. „Ich wollte helfen“, sagt sie. Und hat dann gemerkt, wie aufwendig die Restaurierung der Meroder Bilder ist. „Das dauert Monate“, sagt Agnieszka Krieger.

Wenn die Restauratorin mit ihrer Arbeit anfängt, nimmt sie erst einmal die Gemälde unter die Lupe – im wahrsten Sinne des Wortes. „Ich gucke mir zuerst die Bilder mit einer Lupe an und entscheide dann, was getan werden muss.“ Bei einigen Bildern muss zunächst die Farbe fixiert werden, andere Bilder müssen gereinigt werden, bei wieder anderen gilt es, kleine Risse zu flicken. Fast immer setzt Agnieszka Krieger komplizierte chemische Prozesse in Gang. „Es gibt sehr moderne Verfahren, aber manchmal muss man wieder zu den alten Methoden greifen. Schließlich möchte ich ja erreichen, dass die Bilder, die ich bearbeitet habe, auch wieder für ein paar Jahrhunderte halten.“

Agnieszka Krieger aus Schlich.

Sie dürfe aber nie ein Bild übermalen, so Agnieszka Krieger. „Das wäre dann eine Fälschung. Aber wenn auf  Teilen eines Bildes die Farbe komplett abgeblättert ist, dann male ich in den Stellen das Bild neu.“ Mit ihrer Ultraviolett-Lupe sieht Agnieszka Krieger auch, wenn ein Bild übermalt worden ist. „Und diese Schichten entferne ich dann.“

Wenn es von einem zerstörten Bild eine Kopie oder eine Fotografie gibt, so Frau Krieger, sei es möglich, „etwas ganz Kaputtes so wieder herzustellen, als wäre nichts passiert. Und das ist es natürlich, was mir an meiner Arbeit so gut gefällt.“ Für die Fachfrau ist es immer wieder eine Überraschung zu sehen, wie ein Bild aussieht, wenn sie mit ihrer Arbeit fertig ist. Sie entfernt bei vielen Bildern auch die vergilbten Firnisschichten. Und dann kommen wieder viele leuchtendere Farben zum Vorschein.

Zu den Kunden der Langerweher Gemälderestauratorin gehören neben der Meroder Prinzenfamilie und einigen Privatkunden, die sie aus Brüssel mitgebracht hat, überwiegend Kirchen und Museen. Agnieszka Kriegers Traum ist es, einmal ein primitives, flämisches Gemälde aus dem 14. oder 15. Jahrhundert zu restaurieren. „Das sind ganz wunderbare Bilder“, sagt sie. „Daran würde ich sehr gerne einmal arbeiten.“