Beim Betriebsrundgang mit den Geschäftsführern Michael und Franz-Georg Billig (v.r.) lernten Wolfgang Schumacher und Landrat Wolfgang Spelthahn (v.l.) den blinden Weber Martin Hallmen (3.v.l.) und Webmeister Gerd-Leo Hummel kennen.

Beim Betriebsrundgang mit den Geschäftsführern Michael und Franz-Georg Billig (v.r.) lernten Wolfgang Schumacher und Landrat Wolfgang Spelthahn (v.l.) den blinden Weber Martin Hallmen (3.v.l.) und Webmeister Gerd-Leo Hummel kennen.

Auch aus einem Unglück kann Gutes erwachsen. Das zeigt sich am Schicksal von Franz Billig, der 1913 in Merode in eine arme Familie geboren wurde. Beim Versuch, abgenutzte Fahrradreifenstücke unter Holzschuhe zu nageln, um diese zu schonen, rutschte der Zehnjährige mit dem Messer ab und stach sich ins Auge. Drei Jahre später war er vollblind.

“Blindheit ist keine Krankheit, sondern ein Übel, aber durch Leistung kann man glänzen”, pflegte er später zu sagen. Mit 18 bestand Franz Billig die Handwerksprüfung im Bürsten- und Pinselmachen mit Auszeichnung; mit 20 war er Meister und gründete die “Blindenwerkstätte Franz Billig”. Dies war die Geburtsstunde der “Arbeitsring anerkannter Blindenwerkstätten-Schlich GmbH”. Sie stellt heute ein großes, bis in andere europäische Länder reichendes Netzwerk mit über 50 Standorten  dar, das über 200  blinden und sehbehinderten  Handwerkern Arbeit gibt. Die Beschäftigung erfolgt in Werkstätten sowie in kleinen Produktionsgruppen oder in Heimarbeit. Neben Besen und Bürsten stellen sie Webwaren, Strümpfe, Pinsel, Korbwaren, Kerzen und Tonwaren her, rund 2800 verschiedene Artikel insgesamt. Die Zentrale befindet sich im Hürtgenwalder Ortsteil Horm. Rund 120 Menschen sind hier beschäftigt, darunter etwa ein Drittel Blinde und hochgradig Sehbehinderte. Gearbeitet wird in zwei Schichten. Taxis bringen die Behinderten zur Arbeit und fahren sie wieder zurück nach Hause.

Die Waren, die sie herstellen, werden ausschließlich an Gewerbetreibende oder öffentliche Einrichtungen verkauft. Es sind hochwertige Produkte, die länger halten, dafür aber auch etwas teurer sind als Waren etwa aus Fernost. Die Kunden werden per Telefon angesprochen. In der Datenbank des Arbeitsringes haben sich seit Mitte der 60er Jahre über eine halbe Million Kundenkontakte angesammelt, berichtet Michael Billig, Enkel des Firmengründers.

Für die Kunden sind die hochwertigen Produkte des Arbeitsrings doppelt attraktiv. Wegen ihrer guten Qualität und weil der Einkauf auf ihre Schwerbehindertenabgabe angerechnet wird. Diese wird erhoben, wenn Betriebe mit über 20 Mitarbeitern nicht auf wenigstens fünf Prozent der Arbeitsplätze  Schwerbehinderte beschäftigen.

Der Begriff Blindenware steht für Qualität aus Blindenhand. Als die behördliche Kontrollfunktion 2007 abgeschafft wurde, unterwarfen sich die anerkannten Blindenwerkstätten der freiwilligen Selbstkontrolle durch den Bundesverband staatlich anerkannter Blindenwerkstätten e.V., um die bewährten Standards fortzuschreiben. Denn nur Blindenwerkstätten, die im Jahr 2007 staatlich anerkannte Werkstätten waren und auch weiterhin nach den alten Vorschriften weiterarbeiten, dürfen zum Beispiel bei der Ausgleichsabgabe berücksichtigt werden. Bei seiner Betriebsbesichtigung in Horm überreichte Landrat Wolfgang Spelthahn der Geschäftsleitung eine amtliche Bescheinigung, aus der hervorgeht, dass der Arbeitsring anerkannter Blindenwerkstätten-Schlich seit seiner behördlichen Anerkennung als Blindenwerkstatt im Jahr 1985 bei den regelmäßigen Überwachungen nie Anlass zu Beanstandungen gegeben hat.

Nach ihrem Rundgang waren Landrat Wolfgang Spelthahn und Wolfgang Schumacher, Leiter des Ordnungsamtes des Kreises, beeindruckt von der Leistungsfähigkeit und Geschicklichkeit der blinden und sehbehinderten Menschen an den verschiedensten Arbeitsplätzen.

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