Familie Schneider fühlt sich in Langerwehe wohl.

Familie Schneider fühlt sich in Langerwehe wohl.

Drei Wünsche frei für Langerwehe – da muss Tanja Schneider (36) nicht wirklich lange überlegen. „Einen großen Spielplatz, weniger Hundekot auf öffentlichen Straßen und Wegen und einen Bäcker hier in Pier, das sind meine Wünsche“, lacht die Ärztin.

Tanja, Peter und Ellie Schneider sind vor vier Jahren nach Langerwehe gezogen, Peter Schneider, der in der Töpfergemeinde aufgewachsen ist, hatte Heimweh. Tanja Schneider stammt aus der Nähe von Erkelenz, zuletzt hat die Familie mehrere Jahre in Winnenden bei Stuttgart gelebt. Langerwehe ist Zuzugsgemeinde, seit 2003 sind jedes Jahr zwischen 15 und 30 Personen neu hierhin gezogen. Die vier Neubaugebiete in der Gemeinde mit Grundstückspreisen zwischen 120 und 170 Euro pro Quadratmeter werden gut angenommen.

„Die Lage ist gut“, nennt Peter Schneider einen der Vorzüge von Langerwehe. „Bis zur Autobahn ist es nicht weit. Und auch die Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist prima.“ Peter Schneider muss beruflich viel reisen, von Langerwehe kann er beispielsweise mit dem Zug ohne umzusteigen nach Düsseldorf zum Flughafen fahren. Tanja Schneider formuliert es so: „Man hat hier einfach die Infrastruktur, die man im Alltag braucht.“

Grundsätzlich sind die Schneiders mit den Einkaufsmöglichkeiten zufrieden, Tanja Schneider ist klar, dass der Wunsch nach einem Bäcker, den sie zu Fuß erreichen kann, eine „sehr individuelle Sache“ ist. Ansonsten, sagt sie, bekomme sie hier alles, was sie brauche. „Wir möchten gerne das Einkaufszentrum auf dem Parkplatz am Töpferbrunnen realisieren“, sagt Bürgermeister Heinrich Göbbels zu dem Thema.

„Aber es muss zunächst gelingen, an der Stelle neue Parkplätze zu schaffen, weil durch den Bau einige wegfallen.“ Auch das neue Gewerbegebiet „Am Steinchen“ hält der Bürgermeister nach wie vor für realisierbar. „Das muss kommen“, sagt er. „Wir haben ja schon Betriebe gefunden, die sich hier ansiedeln möchten. Übrigens Betriebe, die auch in Langerwehe Gewerbesteuer zahlen.“ Ähnlich sieht das auch Heinz Herten, Vorsitzender der IV Pro Langerwehe: „Wir brauchen eine gute Mischung an Geschäften. Außerdem ist ein Magnetbetrieb, wie wir ihn in Langerwehe mit dem großen Drogeriemarkt haben, wichtig, um andere Geschäfte im Ort zu halten. Derzeit arbeiten wir daran, einen Hörgeräteakustiker, einen Schuster und eventuell wieder ein Sportgeschäft in den Ort zu bekommen.“

Einen „richtig großen“ Spielplatz, wie die Schneiders sich ihn für ihre kleine Tochter (5) wünschen, wird es dagegen in absehbarer Zeit vermutlich nicht geben. Langerwehe ist eine Gemeinde mit großen finanziellen Sorgen, immerhin schafft die Kommune in sieben bis neun Jahren den perspektivischen Haushaltsausgleich. Will heißen, dass dann die Ausgaben die Einnahmen nicht mehr überschreiten. Schuldenfrei ist die Töpfergemeinde dann immer noch nicht. Schon heute belaufen sich die Schulden der Gemeinde auf rund 27,4 Millionen.

„Mir war wichtig, dass es ein Schwimmbad gibt, wo meine Tochter schwimmen lernen kann“, sagt Tanja Schneider. „Und auch sonst gibt es viele Freizeitangebote für Kinder.“

Die Vereine „Jugend in Langerwehe“ (Jil) und „Jugend im Wenauer Land“ (JuWeL) haben in der Tat viele Angebote für Kinder und Jugendliche parat, gleiches gilt für die vielen anderen Vereine. „Langerwehe hat vier Fußballclubs“, sagt Peter Schneider. „Und das heißt ja auch, dass die alle angenommen werden.“

Was die Schneiders so richtig stört, ist die Sache mit dem Hundekot. „Das gab es bei den Schwaben nicht“, sagt Tanja Schneider. „In Langerwehe lassen Hundebesitzer ihre Tiere sogar an einer Soldatengedenkstätte machen. Das ist doch bezeichnend.“

Das Problem ist bekannt. Immer wieder hat der Gemeinderat darüber diskutiert, jetzt ist es gelungen, mit Hilfe von Sponsoren Spender für Hundekotbeutel aufzustellen. „Ich bin gespannt“, sagt Tanja Schneider, „ob das etwas ändert.“ Die Schneiders sind in Langerwehe angekommen. Mittlerweile ist fast die ganze Familie hier. Tanja Schneiders Schwester wohnt in Langerwehe, demnächst ziehen auch die Eltern von Erkelenz in die Töpfergemeinde.

Größte Arbeitgeber in Langerwehe sind die Firma Alesco mit derzeit 98 Arbeitnehmern und das Logistikunternehmen Schain mit 80 Beschäftigten. Bei Alesco wird derzeit kräftig investiert, hier sollen bis Mitte 2014 54 neue Arbeitsplätze entstehen.

Seit 1997 werden in Langerwehe im Schnitt rund 100 Kinder pro Jahr geboren. Nur 2006 war mit 71 Geburten ein sehr schwacher Jahrgang. Die Existenz der drei Weher Schulen und der fünf Kindergärten ist damit gesichert.

In der Gemeinde Langerwehe leben derzeit 13 440 Einwohner. 280 von ihnen sind jünger als drei, 1280 älter als 75 Jahre. Die Menschen sind gesellig. Es gibt 109 Vereine, darunter 14 Sportvereine, aber auch exotische Clubs wie eine Dudelsackgruppe oder die Amateurfunk-Interessengemeinschaft.

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