Zwei Schnee-Forscher am mittlerweile geschmolzenen Objekt: André Goerres und Andreas Herten (von links).

Na, können Sie das Wort Schnee noch hören? Oder bekommen Sie dann sofort Ausschlag? Weil ununterbrochenes Schneeschippen an Weihnachten doch nicht so toll ist? Oder mangelhafter Winterdienst und nicht abgeholter Müll eher nervig sind als alles andere? Egal, heute geht´s hier – trotz Tauwetter – noch einmal um die weiße Pracht. Weil wird es nämlich jetzt endlich schwarz auf weiß haben: So viel Schnee wie im Dezember 2010 hatten wir seit 1892 noch nie. NOCH NIE. Das ist ab sofort wissenschaftlich belegt. Höchst wissenschaftliche sogar. Von zwei frisch diplomierten Physikern. Andreas Herten aus Langerwehe und sein Kollege André Goerres haben drei Tage lang über 28.000 (!) Wetterdaten vom Deutschen Wetterdienst ausgewertet. Und ihre Ergebnisse auch auf ihrem Physikblog ins Internet gestellt.
Herten: „Es gab einfach kein Weihnachtsessen, bei dem nicht der Satz auftauchte. So viel Schnee hatten wir ja noch nie. Da ist uns der Gedanke gekommen, das doch zu überprüfen.“ In sieben (mehr oder weniger komplizierten) Graphiken haben die beiden Jung-Physiker die Ergebnisse ihrer Forschungen zusammen getragen.
Herten: „Die Daten vom Deutschen Wetterdienst werden zum Glück im Internet veröffentlicht. Und die haben wir uns zu Nutze gemacht.“ Zunächst haben Andreas Herten und André Goerres sich mit den maximalen Schneehöhen beschäftigt und alle Daten seit 1892 (ältere Daten wurden nicht aufgezeichnet) durchforstet.  Die Wetterstation, deren Daten den komplizierten Auswertungen zu Grunde liegen, steht übrigens in Aachen. Aber, so die beiden Physiker, die Ergebnisse der Aachener Station könnten qualitativ durchaus auf Langerwehe übertragen werden.

Anfangs sag es anfangs in Sachen Rekordwinter übrigens gar nicht so gut aus: So war der Dezember 2010 mit einer maximalen Schneehöhe von 37 Zentimetern schon ziemlich gut, aber 1969 lag der Schnee am Wehebach noch sechs Zentimeter höher, also immerhin 43 Zentimeter hoch! Die durchschnittliche Schneehöhe für alle Tage, in denen im Dezember Schnee lag, betrug 2010 13,23 Zentimeter. «Das», so Andreas Herten, «ist zwar schon ziemlich viel, aber im Winter 1960/61 lagen durchschnittliche 18,25 Zentimeter Schnee.»
Weiter geht es mit der Anzahl der Schneetage und der Summe der Schneehöhen. Und siehe da: Addiert man alle Schneehöhen im Dezember, versanken wir hier unter sage und schreibe 416 Zentimetern weißer Pracht. André Goerres: «So lange und so viel Schnee wie im vergangenen Dezember gab es seit 1892 hier noch nie.»
Klar, dass sich die beiden Wissenschaftler auch der Frage gewidmet haben, wie oft es seit 1892 schon weiße Weihnachten gegeben hat. Herten: «Das war in den 118 Jahren nur acht Mal. Und so gesehen war Weihnachten 2010 auf jeden Fall etwas Besonderes.»
Wer glaubt, dass wir in Sachen Schnee für diesen Winter schon alles hinter uns haben, den müssen Andreas Herten, der übrigens in Langerwehe auch die St.-Georg-Pfadfinder-Gruppe leitet, und André Goerres enttäuschen. «Eigentlich», so Herten, «sind die Monate Januar und Februar immer die mit dem meisten Schnee. Da kann also noch so einiges auf uns zu kommen.»
Die Auswertung der Unmengen von Wetterdaten hat den beiden Jung-Physikern übrigens jede Menge Spaß gemacht, «weil man so etwas als Physiker halt eben auch lernt und machen muss. Und wir haben die Wetterdaten einfach mal durch unsere Physikerfinger wandern lassen.»

Ach ja, wer mehr Ahnung von Physik hat, als wir hier in der Redaktion von toepfergemeinde.de kann ja mal einen Blick auf die Original-Berechnungen der beiden Physiker werfen. Ein Klick genügt!

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